Hand hält ein leuchtendes Chatbot-Symbol, darüber schweben Sprechblasen

Heute Morgen lag ein Mail von OpenAI in meinem Postfach. Der Ads Manager sei jetzt für Werbetreibende in der Schweiz und in Liechtenstein freigeschaltet. Seit letzter Woche gibt es Werbung in ChatGPT auch in Europa, bis jetzt allerdings nur über grosse Agenturen. Ab heute kann auch ein kleines Unternehmen direkt buchen. Ich habe mir das gleich angeschaut, und hier ist, was ich dir dazu sagen kann.

Wo die Anzeige erscheint

Stell dir vor, jemand fragt ChatGPT, ob sich eine Wärmepumpe für sein Einfamilienhaus lohnt. Er bekommt seine Antwort, wie immer. Und darunter, klar als Anzeige gekennzeichnet und von der Antwort getrennt, steht ein Installateur aus der Region. Kein Suchbegriff hat diese Anzeige ausgelöst. Die Absicht hinter der Frage hat gereicht.

Zwei Dinge sind mir dabei wichtig. OpenAI gibt die Gespräche nicht an Werbetreibende weiter, und bei heiklen Themen wie Gesundheit oder Politik erscheint gar keine Werbung. Und wer ein bezahltes Plus-Abo hat, sieht überhaupt keine Anzeigen. Werbung gibt es nur in der Gratisversion und im günstigen Go-Abo. Selbst dort kann man darauf verzichten, muss dann aber mit tieferen Limiten leben. Werbung ist bei ChatGPT also der Preis für mehr Nutzung, nicht für die Nutzung an sich.

Absicht statt Keyword

Bei Google Ads buchst du Suchbegriffe. Wer «Wärmepumpe Einfamilienhaus Kosten» eingibt, weiss schon ziemlich genau, was er will. Bei ChatGPT Ads buchst du den Kontext eines Gesprächs. Wer ChatGPT fragt, ob sich eine Wärmepumpe überhaupt lohnt, ist zwei Schritte früher unterwegs, und genau dort erreichst du ihn. OpenAI wertet dafür aus, worum es im Gespräch geht, und nicht, welche Wörter darin vorkommen.

Für regionale Unternehmen ist eine andere Neuerung mindestens so wichtig: Kampagnen lassen sich geografisch ausrichten. Und für alle, die beim Thema Datenschutz zusammenzucken: In der Schweiz und im EWR gibt es vorerst keine personalisierten Anzeigen. Es zählt nur das aktuelle Gespräch und nicht, was jemand letzte Woche gefragt hat.

Für wen das passt, und für wen nicht

Am meisten bringt der Kanal dort, wo Menschen vor einer Entscheidung recherchieren. Heizung, Küche, Auto, Reise, Restaurant, Handwerk, alles, wo jemand zuerst fragt «lohnt sich das» oder «worauf muss ich achten», bevor er sich meldet. Ein Hersteller von Spezialmaschinen mit fünf Aufträgen im Jahr wird in ChatGPT dagegen kaum jemanden treffen, der gerade nach ihm sucht. Je näher dein Geschäft am Alltag der Leute ist, desto besser passt es.

Und es gibt Branchen, in denen OpenAI genau hinschaut. Gesundheit und Finanzen sind nur unter strengen Auflagen zugelassen, politische Werbung gar nicht. Wer in so einem Bereich arbeitet, sollte das klären, bevor der erste Franken fliesst.

Was es kostet

Bezahlt wird pro Klick oder pro tausend Einblendungen, inzwischen auch conversion-optimiert pro Klick, und das Konto läuft in Schweizer Franken. Die Gebote setzt du selbst, wie bei Google Ads. Wie viel ein Klick in der Schweiz kostet, kann dir heute niemand seriös sagen, dafür ist der Kanal zu neu. Die Preise werden sich mit der Nachfrage einpendeln.

Für die Erfolgsmessung gibt es von OpenAI ein Pixel und eine Schnittstelle für Conversions. Ohne sauberes Tracking auf deiner Website und ohne korrekt eingerichtetes Cookie-Banner bringt dir der schönste Klick nichts, weil du nie erfährst, ob daraus eine Anfrage geworden ist. Das gilt bei ChatGPT genau gleich wie bei Google.

Was deine Website dafür können muss

Etwas, das gern vergessen geht: OpenAI liest deine Zielseite. Wie relevant eine Anzeige eingestuft wird, hängt auch davon ab, was auf der Seite steht, auf die sie führt. Und Anzeigen werden gar nicht erst ausgeliefert, wenn die Zielseite die Crawler von OpenAI blockiert. Viele Websites tun genau das, oft ohne dass der Inhaber es weiss, weil ein Sicherheitsplugin oder die robots.txt pauschal alle KI-Bots aussperrt. Vor der ersten Kampagne gehört das geprüft.

Dazu kommt der Ton. Eine Anzeige direkt unter einer Antwort wirkt für viele wie eine Empfehlung, und das ist eine Verantwortung. Wer dort mit grossen Versprechen wirbt und auf der Zielseite nicht liefert, verbrennt sich schneller als bei Google. Ehrliche Anzeige, klare Zielseite, echte Antwort. So einfach ist es, und so anspruchsvoll.

Lohnt sich das jetzt?

Belastbare Zahlen aus der Schweiz hat heute niemand, auch ich nicht. Die Reichweite ist da, laut OpenAI nutzen mehr als eine Milliarde Menschen ChatGPT regelmässig, und die meisten davon dürften die Gratisversion nutzen, also genau die, in der die Anzeigen laufen. Auf der anderen Seite stehen die Werbetreibenden. Weniger als 200 Tage nach dem Start liegt das Werbegeschäft laut OpenAI aufs Jahr hochgerechnet bereits bei einer Milliarde Dollar. Die Nachfrage ist also da. Ob die Klicks am Ende Anfragen bringen, zeigt erst der Test.

Darum sehe ich ChatGPT Ads nicht als Ersatz für Google Ads, sondern als Ergänzung. Wer einsteigt, sollte es mit einem kleinen Budget tun, mit klaren Zielen und sauberem Tracking. Und nicht, weil gerade alle davon reden.

Wie ich vorgehe

Ich habe es natürlich gleich ausprobiert. Der Ads Manager hat aus meiner Website in weniger als einer Minute eine erste Anzeige gebaut, und die war näher an dem, was ich selbst geschrieben hätte, als mir lieb ist. Was die Maschine nicht kann, ist einschätzen, ob der Kanal für dein Unternehmen überhaupt Sinn ergibt, welches Budget vernünftig ist, ob die Anzeige zu deiner Marke passt und wie du den Erfolg misst. Genau das mache ich.

Die erste Kampagne für Swiss Media Design läuft als Test mit meinem eigenen Geld. Wie es läuft, erzähle ich dir gerne im Gespräch, nicht im Blog. Wenn du ChatGPT Ads für dein Unternehmen prüfen willst, melde dich über das Kontaktformular. Und falls es für dich keinen Sinn ergibt, sage ich dir das genauso.

Quellen: OpenAI: ChatGPT Ads wird in Europa ausgeweitet, OpenAI Hilfecenter: Ads in ChatGPT, OpenAI Hilfecenter: Ads Manager Availability, retail-news.de: OpenAI öffnet ChatGPT Ads für Self-Service-Werbung in Europa und OpenAI Ads: In ChatGPT werben

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