Deine Website sammelt jeden Tag Daten. Kontaktanfragen, Offertenwünsche, vielleicht Bewerbungen. Und du weisst vermutlich nicht, in welchem Land sie liegen.
Damit bist du nicht allein. Die meisten Unternehmer, mit denen ich rede, wissen es nicht. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil es ihnen nie jemand gesagt hat. Die Website wurde damals gebaut, sie läuft, und wo genau sie läuft, war nie Thema.
Bis dann eben jemand fragt.
Wer fragt, und warum
Bei mir stellen diese Frage vor allem drei Sorten von Kunden.
Treuhänder, weil sie Lohndaten und Buchhaltungen ihrer eigenen Kunden verarbeiten. Arztpraxen, weil Patientendaten besonders schützenswert sind. Und Anwaltskanzleien, weil sie dem Berufsgeheimnis unterstehen.
Für diese drei ist die Frage nach dem Datenstandort keine Neugier, sondern Teil ihrer Sorgfaltspflicht. Wenn ihr Kunde fragt und sie zucken mit den Schultern, haben sie ein Problem. Und ihr Webdienstleister gleich mit.
Was tatsächlich dahintersteckt
Es geht nicht um Patriotismus. Es geht um die Frage, welches Recht gilt.
Liegen die Daten auf einem Server in der Schweiz und ist der Anbieter ein Schweizer Unternehmen, gilt Schweizer Datenschutzrecht. Ein Rahmen, ein Ansprechpartner, ein Gerichtsstand.
Liegen sie bei einem ausländischen Konzern, kommen weitere Rechtsordnungen dazu. Auch dann, wenn der Serverstandort formal in der Schweiz ist. Ein US-Unternehmen bleibt einem US-Unternehmen unterstellt, unabhängig davon, wo die Festplatte steht.
Für einen Onlineshop mit Turnschuhen ist das selten kritisch. Für die drei oben ist es der Unterschied zwischen «kann ich verantworten» und «kann ich nicht».
Die fünf Fragen, die du deinem Webdienstleister stellen solltest
Ganz gleich, ob du bei mir bist oder woanders. Schick diese Fragen an die Person, die deine Website betreut:
- Wo genau stehen die Server, auf denen meine Website läuft?
- Wer ist der Anbieter dahinter, und wo hat er seinen Sitz?
- Wo liegen die Sicherungskopien, und wie lange werden sie aufbewahrt?
- Welche externen Dienste sind eingebunden, und wo verarbeiten die ihre Daten?
- Wer hat administrativen Zugriff, und wie ist er abgesichert?
Kommt die Antwort innert eines Tages und ist konkret, bist du gut aufgehoben. Ist sie ausweichend oder kommt gar nicht, weisst du auch etwas.
Und falls du diese Fragen gerade zum ersten Mal liest und merkst, dass du keine einzige davon beantworten kannst: Das ist normal. Es ist nur kein Zustand, den man lassen sollte.
Wie ich es halte
Sämtliche Kundenwebsites, die ich betreue, laufen auf einem Managed Server bei einem Schweizer Anbieter. Kein Zwischenhändler, keine Weiterleitung über ausländische Rechenzentren.
Das war keine Marketingentscheidung. Es ist schlicht die Variante, bei der ich dir auf die Frage nach deinen Daten in einem Satz antworten kann.
Ehrlich dazu gehört: Wer Zahlungen abwickelt, Newsletter verschickt oder Statistiken auswertet, kommt an internationalen Anbietern kaum vorbei. Bei mir ist das genauso. Der Unterschied liegt darin, dass ich weiss, welcher Baustein wo liegt, und es dir sagen kann, bevor du fragst.
Was die Labels damit zu tun haben
Seit diesem Monat trägt Swiss Media Design zwei zusätzliche Auszeichnungen:
- swiss made software für Software, die in der Schweiz entsteht
- swiss digital services für digitale Dienstleistungen mit Schweizer Wertschöpfung
Verlangt werden dafür unter anderem ein Schweizer Wertanteil von mindestens 60 Prozent an den Herstellungskosten, der wichtigste Fabrikationsprozess in der Schweiz und ein Handelsregistereintrag. Bei einem Betrieb, den ich seit zwölf Jahren allein von Buchs aus führe, liegt dieser Anteil deutlich über dem Minimum.
Ein drittes Label habe ich bewusst nicht genommen: swiss hosting. Dessen Bedingungen verlangen, dass sämtliche Daten inklusive aller Sicherungskopien bei Anbietern liegen, die keinerlei ausländischem Zugriff unterstehen. Meine Backups laufen über Microsoft 365 mit Datenstandort Schweiz. Gut für den Alltag, aber diese besonders strenge Auslegung erfüllt es nicht mit letzter Sicherheit.
Ein Label zu tragen, bei dem ich argumentieren müsste, kommt für mich nicht in Frage. Lieber zwei, die stimmen, als drei mit Fussnote.
Zum Schluss
Ein Label ist eine Abkürzung. Es sagt dir in zwei Sekunden, dass sich jemand mit dem Thema befasst hat.
Die eigentliche Arbeit passiert vorher, bei der Wahl des Hostings, der Werkzeuge, der Partner. Ein Label bestätigt diese Entscheidungen nur nach aussen.
Schick die fünf Fragen von oben an deinen Webdienstleister. Was du zurückbekommst, sagt dir mehr als jedes Logo im Footer. Auch mehr als meines.
Und falls dich die Antwort nicht überzeugt: Ich beantworte dir alle fünf, jede in einem Satz.